Anita Koechl & Richard Saringer | Glück - Le Bonheur

Glück – Le Bonheur | Kleines Theater

Beziehungsstatus? Es ist kompliziert.

Joie de vivre in Schallmoos: Mit Eric Assous‘ GLÜCK – LE BONHEUR inszenierte Edi Jäger eine temporeiche Beziehungskiste mit jeder Menge französischem Witz, Charme und Verve.

Wenn eine Stimme im Publikum nach der Pause erleichtert ausruft „Endlich geht’s weiter, ich hatte sie schon vermisst!“, dann darf vermutet werden: Es läuft. Sowohl für Inszenierung als auch Ensemble. Das hat tatsächlich nur Sujet bedingt mit Glück zu tun. Schließlich stand das Streben nach diesem ur-menschlichen Wunschzustand Pate für die Komödie aus Eric Assous‘ tunesisch-französischer Feder: GLÜCK – LE BONHEUR. Was so unverschämt leichtfüßig daherkommt, ist aber mit jeder Menge Arbeit verbunden. Dass die dezent im Verborgenen bleibt, liegt am Können des Schauspielduos Anita Köchl und Richard Saringer. Regisseur Edi Jäger bündelt das Know-how seiner beiden Mimen und kreiert daraus ein Duo Infernale, das bei jeder Gelegenheit die Fetzen fliegen lässt und mit herrlich ironischem Wortwitz begeistert. Très charmant.

In aller Plot-Kürze

Nach einer gemeinsamen Nacht will sich Alexandre zügig von seiner Zufallsbekanntschaft Louise verabschieden. Das sieht die so gar nicht gerne. Sein halbherzig geäußertes Versprechen, sich bald wieder zu melden, zweifelt sie an. Schließlich hat er noch nicht mal ihre Handynummer. Louise macht kurzen Prozess und schließt Alexandre in ihrer Wohnung ein. Von bitten verlagert sich Alexandre auf drohen, Louise bleibt hart – eines steht schnell fest, hier besteht Redebedarf und der nimmt völlig ungeahnte Wendungen.

Frankophile Glücksgefühle

Fans von französischen Komödie ahnen es bereits. Eric Assous? Der tunesisch-französische Autor, der wie eine Mischung aus Edward mit den Scherenhäden und John Lennon aussieht, ist auf Pärchen-Konstellationen spezialisiert. Man denke an ILLUSIONEN EINER EHE oder PAARUNGEN. GLÜCK – LE BONHEUR stellt keine Ausnahme seines Komödien-Œuvres dar, sondern ist mindestens genauso amüsant. Für das Kleines Theater in Salzburg inszenierte Edi Jäger GLÜCK als temporeiche Komödie, die nur so vor Lebenslust und Wortwitz sprüht. Gleichzeitig produziert die Inszenierung allen thematischen Abgründen zum Trotz frankophile Glücksgefühle en masse. Das liegt vor allem auch an der exorbitant guten Laune, dem Engagement und der Professionalität, mit dem sich das Schauspielduo seine Rollen aneignet.

Verkehrte Welt

Anita Köchl ist eine großartige Louise. Temperamentvoll und energiegeladen versteckt sie aus einer spontanen Idee heraus den Wohnungsschlüssel. Was folgt ist eine amüsante Episode, irgendwo zwischen Freiheitsberaubung und gekränktem Stolz, die Ungeahntes zutage fördert. Gleichzeitig dümpeln unter der heiteren Fassade der lebenslustigen Autorin Abgründe, die erst peu à peu gelüftet werden – ein Umstand, der den Plot persistent auf Spannung hält. Bei GLÜCK – LE BONHEUR stehen die Rollenbilder Kopf. Herrlich die Szene, als Alexandre Louise fassungslos damit konfrontiert „Du bist ja wie ein Mann!“. Es ist dieser selbstkritisch-ironische Blick, der die französische Beziehungskiste so heiter-amüsant gestaltet und für reichlich Identifikationspotential sorgt. Eine Zauberformel für Publikumserfolg. Wenn die Hälfte im Auditorium bei den finalen Worten dann mit geseufztem „awww“ antwortet, geht die Rechnung voll auf.

Französischer Charme

Als Alexandre steht Richard Saringer auf der Bühne, der gerade durch seine Diversität begeistert. Anita Koechl & Richard Saringer | Glück - Le BonheurDas Publikum lässt der Schauspieler im Gesicht seiner Figur wie in einem Buch lesen. Jede emotionale Facette wird in seiner Mimik sichtbar. Scheinbar. Denn eigentlich ist Alexandre Meister des Versteckens. Expressiv bis zum Äußersten, manipuliert Saringer durch seine gelungene Gestik. Wunderbar die Szene, als er über das Fenster aus der Wohnung flüchten möchte. Das vierte Stockwerk wird beinahe haptisch greifbar, sogar die Tauben sind ganz plötzlich Realität, wenn Alexandre vor lauter Absturzangst panisch die Augen zusammenkneift und zu hyperventilieren droht. Dass der Frauenheld dann doch immer wieder auffliegt, liegt meistens nicht an ihm selbst, sondern an Louises Hartnäckigkeit.

Von Tauben und Spatzen

GLÜCK bestätigt die französische Komödien-Formel: ausgeklügelte Handlung, grandioser Wortwitz und sehr viel joie de vivre funktionieren immer. Abgerundet wird die Plot-Mischung übrigens von ZAZ. Die Songs der französischen Sängerin bilden einen stimmigen Soundtrack – bei dem Anita Köchls Louise herrlich euphorisch nichts mehr auf dem Sessel hält. Was lernen wir daraus? Wenn das Glück a Vogerl is, wie schon H.C. Artmann verlauten ließ, dann handelt es sich im Falle von Edi Jägers GLÜCK – LE BONHEUR sicher um keine überfressene Salzburger Stadttaube, sondern einen lebenslustigen Spatz, der keck die Kaffeehaustische in der Altstadt unsicher macht. Dem sieht man dann gerne auch schon mal länger zu.

 

Fotonachweis: Erika Mayer

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2 Kommentare

  1. Ganz herzlichen Dank für die tolle Kritik. Freut uns riesig Beste Grüße Anita Köchl

    1. Author

      Super, das freut mich wiederum.
      Viele Grüße Veronika

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