Zwei Männer ganz nackt | OFF Theater

Zwei Männer ganz nackt – OFF Theater

ZWEI MÄNNER GANZ NACKT: Eine temporeiche Komödie, die ein kleines Stückchen Frankreich ans Salzburger OFF Theater bringt.

Franzosen genießen ja gemeinhin den Ruf, es relativ freizügig zu mögen und besitzen bühnentechnisch nicht erst seit Molière ein Patent auf heitere Verwechslungskomödien und temperamentvolle Wohnzimmer-Dramen. „Oui“ und „oui“ lässt sich nach einem Besuch bei ZWEI MÄNNER GANZ NACKT am Salzburger OFF Theater konstatieren. Der Stoff stammt aus der Feder von Sébastien Thiéry. Als Schauspieler und Franzose wusste Thiéry sehr genau, was er tat, als er zwei unbekleidete Herren nebeneinander aufwachen ließ.

In aller Plot-Kürze

Der erfolgreiche Anwalt Alain Kramer liegt nackt neben seinem ebenfalls textilbefreiten Assistenten Nicolas Prioux und keiner weiß, wie es dazu kam. Während die Herren noch dabei sind, das Rätsel zu ergründen, werden sie von Alains Frau überrascht, die selbstverständlich die falschen Schlüsse zieht. Jetzt geraten die Dinge vollends aus dem Ruder. Catherine wirft Alain vor, sie anzulügen. Mit seiner Homosexualität käme sie ja noch klar, aber Lügen? Während Alain und Prioux ihre Unschuld und Heterosexualität beteuern, hagelt es Vorwürfe und Misstrauen.

Trois couleurs mit ZWEI MÄNNER GANZ NACKT

Alex Linse inszenierte ZWEI MÄNNER GANZ NACKT für die OFF Theater Bühne und hielt dem trois couleurs Konzept die Treue. Französischer scheint kaum möglich. Im Hintergrund laufen die klassischen Chansons, die Bühne setzt mit ihrer Farblichkeit ebenfalls auf die trois couleurs der französischen Flagge. Überhaupt ist hier alles ziemlich frankophil, auch die verworrene Beziehungskiste von Alain, die sich als ausgewachsene Krimi-Komödie entpuppt. In diese entführt das spielfreudige Ensemble der OFF Bühne. Das setzt mit dem titelgebenden Adamskostüm ganz selbstbewusst auf joie de vivre. Die Selbstverständlichkeit, mit der es nackte Tatsachen und Wortwitz verbindet, sorgt für Lachsalven im Publikum. Eloquent und selbstbewusst spielen sich Tom Pfertner und Luke Bischof ganz ohne Textilien und mit als Alain und Nicolas in Rage.

Die Mischung macht’s

Dabei setzt die Inszenierung auf heitere Details. So ertönt aus dem Telefon meistens schrilles Technikgenuschel, zupft Nicolas unsichtbare Körperbehaarung vom Sofa und steckt sie sich penibel in die Jacketttasche, während Catherine auf ein gebrauchtes Kondom stößt und Alain köstlich umständlich mit dem imaginären Kabel des altertümlichen Telefonapparats hantiert. Fleißig werden falsche Fährten gelegt und humorig zelebriert. Dicht auf dicht folgt die Handlung, die sich temperamentvoll von einem Höhepunkt zum nächsten schraubt. Wunderbar Catherine (Anja Clementi), die mit großartigem Talent immer zur falschen Zeit auftaucht und konsequent die besten Fehlschlüsse zieht. Stark das letzte Bild. „Du belügst mich nicht Alain?“, fragt sie hoffnungsvoll. Man hört nur das Rascheln des wichtigen Papiers, ehe ein zeitverzögertes „nein“ durch den Raum klingt.

ZWEI MÄNNER GANZ NACKT: Eine Komödie zum Verweilen

Tom Pfertner gibt den ahnungslosen Alain mit gelungener Fahrigkeit, der zusehends nervöser wird. Gelungen die Szene, als er Nicolas eine Falle stellen möchte. Hier zeigt Luke Bischof seine Wandlungsfähigkeit, wenn er mit ungewohnter Reaktion kontert. Als Escort deluxe hat Diana Paul ihren Auftritt, den sie sichtlich zelebriert. Slapstickartig aber köstlich der Moment, wo sie sich weigert zu sprechen und Alain sich in improvisierter Gebärdensprache probiert, während sie ihm giftige Blicke zuwirft. Dass es sich hier eigentlich um eine Komödie mit Krimi-Ambitionen handelt, wird erst zu vorangeschrittener Spielstunde deutlich. Auch wenn das Ende überraschend kommt, hätte Autor Sébastien Thiéry es dann doch stringenter gestalten und den Plot-Twist damit noch intensiveren können. Die Pointe geht mit einem kleinen Abstrich aber auch so auf – und sorgt für einen kurzweiligen Abend.

 

Fotonachweis: OFF Theater

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