Tim Freitag

Monsters Forever – Tim Freitag

Tim Freitag released mit „Monsters Forever“ das langersehnte Debütalbum

Kleiner Millennial – was nun? Die Zürcher Band Tim Freitag veröffentlicht ihr Debütalbum MONSTERS FOREVER und widmet es ganz den amourösen Höhen und Tiefen der Generation Z.

Freitag der 13. ist für viele ein Unglückstag. Nicht für Tim Freitag. Die Schweizer Indie-Rockband feiert jeden Release traditionell an einem fünften Tag der Woche. Sowieso, Name verpflichtet eben. Das gilt auch für ihr langersehntes und bisweilen verschobenes Debütalbum MONSTERS FOREVER. Gut Ding braucht Weile und die hat sich ganz dem Herz-Schmerz der Millennials verschrieben. Natürlich, plaudern die e-Rocker doch aus dem eigenen Nähkästchen. Den Auftakt macht ein temporeiches „By your side“. Die klare Ansage und schnellen Beats sorgen für gute Laune, selbst wenn die Euphorie durch die Vocals (Vania Sousa & Janick Pfenninger) obsolet geführt wird. Hier warten zwei, die doch nicht zueinander finden. Tim Freitag: Monsters ForeverGodot wer? Alles Pillepalle zu den ganz großen Gefühlen bei Tim Freitag.

Lost in Tim Freitag

Das Arrangement der Songs ist homogen und durchdacht. Nahtlos greift ein melancholisch-lyrische „Hold me“ das verzweifelte Gefühlschaos auf. Kurz vor Schluss dann ein konzises Innehalten und totale Reduktion auf Sänger, Frauenstimme und Gitarre. Der balladenhaften Charakter wird verdoppelt und steigert sich ins Exorbitante. Konträr dazu das fordernde „Call me“. Jetzt regiert der Imperativ – oder die Hommage an Tinder und Co. Der mitreißende Geschwindigkeitsrausch kommt aber ebenfalls nur scheinbar fröhlich daher. Ganz eigentlich wird der Song zu einem düsteren Zeitzeugnis einer verlorenen Generation, die mit unverbindlichem Sex die eigene Orientierungslosigkeit kompensiert. Kleiner Millennial – was nun?

„A Kiss, A Bang & It’s Over“ schlägt in die gleiche Kerbe „When it’s all said & done/ Maybe we can be bolder/ A kiss, a bang and it’s over/ And we can begin again“. Die Instrumentierung pendelt irgendwo zwischen temporeich und reduziert, schleicht sich in die Gehörwindungen und verweilt dort auch gerne ein Stückchen länger. Das ist schön, denn wie nebenbei stellen Tim Freitag einmal mehr ihr Talent für Texte unter Beweis. Lyrisch lassen sich die Zeilen von Leadsänger Janick Pfenninger an „Oh bliss in the loom/ Moless in the womb/ We’re kicking our doom/ But you make me still feel alive“, das mit „We can start over again“ kassandrahaft aufgegriffen wird (Vania Sousa, Carla Fellinger, Lena Minder).

Drama, Baby, Drama

Mit „Hot, Cold, With & Without You“ lassen Tim Freitag einmal mehr die Indie-Rocker in sich raus. Zum abgehackten Beat von Drums und e-Rock’n’Roll ist es wieder die lähmende Unentschlossenheit, die das lyrische Ich Tim Freitag: Monsters Foreverwanken lässt (und sich auch wunderbar in Werthers Tagebuch machen würde): „Uh, I’m in trouble/ Uh, I see double/ Hot, cold, with & without you“.

Ebenfalls funkelnagelneu, das titelgebende MONSTERS FOREVER. Das Thema lässt sich erraten. Selbstverständlich… Herzschmerz, allerdings einmal mehr kreativ verpackt. Saiteninstrument und Stimme verleihen den ersten Takten etwas sehr Reduziertes, Nachdenkliches. Hier zieht jemand die Notfallbremse, zückt den kleinen verbotenen Hammer im fahrenden Zug („Stop for a moment,/ you’re going to fast/ Tell your little stories,/ they’re never gonna last“). Alleine, es ist zu spät. Das onomatopoetische „Tic tic, boom boom“ ist bereits entzündet – und geht ab, nun ja, wie ein Zäpfchen halt. Da darf sogar eine Ex-Freundin die Additional Vocals singen. So viel Authentizität muss sein.

Tatsächlich lebt Tim Freitag von dieser Echtheit. Da erscheint es nur konsequent, dass auf „Bruises“ (irgendwo muss der Schmerz ja raus) melancholisch aber gleichzeitig wunderschön „Another heart has lost its place“ folgt. Auf neu schließt ein absoluter Klassiker das Album. Danach darf sich das Publikum erleichtert fühlen. So eine Indie-Rock-Katharsis kann ganz schön befreiend wirken. Hinzu kommt die Gewissheit: endlich. Das langersehnte Album von Tim Freitag in Händen zu wissen. Und ja, das Warten hat sich gelohnt.

 

Fotonachweis: Biho Song (Sujet), Nadja Stäubli (Rest)

Artikel zum Download in PDF-Format

 

Tim Freitag: Janick Pfenninger (Vocals), Daniel Gisler (Keys), Severin Graf (Bass), Lorenzo Demenga (Drums), Nicolas Rüttimann (Gitarre)

Facebooktwitterredditpinterestlinkedinmailby feather

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.