Sonny Boys | Schauspielhaus Salzburg

Sonny Boys – Schauspielhaus Salzburg

THE AMERICAN WAY OF COMEDY.

Was sich liebt, das neckt sich? Noch etwas mehr Liebe und in SONNY BOYS fließen die Tränen: Die amerikanische Komödie feierte am Schauspielhaus Salzburg gut gelaunt Premiere.

Wer sagt denn, dass Katharsis nur mit den Mitteln der Tragödie funktioniert? Eleos und phobos, also Jammern und Schaudern, sind doch schon ziemlich ‚old school‘ und Aristoteles‘ These reiferen Alters. Die seelische Reinigung lässt sich auch launig mit einer Komödie angehen, vor allem dann, wenn die tatsächlich unterhält. So wie Neil Simons berühmtes SONNY BOYS. Zahlreich verfilmt und oft inszeniert, fand der amerikanische Boulevard-Liebling seinen Weg ins Salzburger Schauspielhaus.

In aller Plot-Kürze

Zwei alternde Comedy-Stars haben ihre Glanzzeit hinter sich. Erfolgreich waren Willie Clark und Al Lewis nur als Duo, seit 11 Jahren sprechen sie allerdings kein Wort mehr miteinander. Warum ist Ben, Willies Neffe, nicht klar, würde aber sowieso nichts an seinem Vorhaben ändern, die beiden für einen letzten lukrativen Auftritt gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Dass das bei den Streithähnen kein leichtes Unterfangen wird, darf ganz ohne Spoiler-Alarm vorausgesetzt werden.

Wehe, wenn sie losgelassen

Was sich liebt, das neckt sich? Noch etwas mehr Liebe und Willie geht Al mit dem Messer an die Gurgel oder präziser formuliert an den anklagend geschwungenen Finger – und Stein des Anstoßes. Akribisch arbeitet die erste Szene auf den Ausraster der alternden Show-Legenden zu und befeuert ihn mit Slapstik und Pointen am Fließband. Marcus Marotte legt Willie als verbitterte Diva mit Hang zum Rampenlicht an. Sonny Boys | Schauspielhaus SalzburgBei jeder Gelegenheit präsentiert er sich als der Star, der er gerne wieder wäre und persifliert gleichzeitig den amerikanischen „Way of Acting“ auf das herrlichste. Aus dem Stegreif produziert Willie Zahnpasta-Lächeln und Broadway-Pose. Dass der letzte Job schon etwas länger zurückliegt und alles außer glamourös war, kann aber auch der ausrangierte Star nicht verbergen. Marcus Marotte kreiert eine feine tragisch-komische Figuren-Zeichnung mit feurigen Dialogen und sehr viel amerikanischer Comedy, nicht nur auf sprachlicher, sondern auch gestischer Ebene.

Hommage an Film und Theater

Auf Slapstick versteht sich auch Bülent Özdil. Als bemühter Neffe und Agent Ben Silverman stolpert er mit gelungen dick aufgetragenen Gesten durch das Bühnenbild – eine siebziger Jahre Retro-Wohnung wird im cineastischen Guckkasten-Setting zur TV-Show. Gerade deshalb kann bereits die Ausstattung (Isabel Graf, Agnes Hamvas) in Maya Fankes Regiewerk als Hommage an Neil Simons Bühnenwerk aufgefasst werden. Das Publikum beobachtet die Broadway’schen Seelennöte aus der Wohnzimmer-Perspektive. Bülent Özdil indes sorgt für eine weitere liebenswerte Hommage: Sein Ben persifliert das Show-Biz, wenn er die beiden Streithähne auf Biegen und Brechen vereinen möchte. Des öfteren humorig zur Flucht getrieben, kehrt er doch jedes Mal wieder um und versucht den bejahrten Zwist beizulegen. Mit mäßigem Erfolg, aber großen, launigen Gesten.

„Heeereeiiiiin“

Olaf Salzers Al Lewis ist das Yin zu Willies Yang oder der Pinky zu Willies Brain. Sonny Boys | Schauspielhaus SalzburgAuf alt und vergesslich getrimmt, Make-up und graue Kleidung komplettieren den Eindruck, mimt Al  den Zurückhaltenden, der erhobenen Zeigefingers und mit Hang zum feuchten „T“ Willie effizient an den Rand eines Nervenzusammenbruchs treibt, dass es ein Lachreigen ist. Verbittert und mit gestrenger Miene verzweifelt Al aber vice versa paradigmatisch kleinlich am schadenfroh wienernden „heeereeiiiiiin“ von Willie – ein humoriger Seitenhieb auf die lokalen Gegebenheiten. Die beiden schenken sich keine Pointe und komplettieren sich doch auf das Hervorragendste, was auch am eingespielten Schauspieler-Team hinter den Figuren liegen mag. Warum die Regie Al allerdings immer wieder auf die psychedelische siebziger Jahre-Tapete starren lässt, verharrt konsequent im Dunkeln.

Als Intelligenz befreite, schrille Krankenschwester unterhält Christiane Warnecke bestens und lässt kein Blondinen-Klischee aus. Das liegt vermutlich am amerikanischen Komödien-Charakter und da ist alles – wie überall in den USA – etwas großzügiger appliziert, auch Oberweite und Kehrseite. Als resolute, humor-resistente Krankenschwester wiederum kontert die Schauspielerin Willies Lamento eloquent und Ironie versiert.

Schnee. Schnee??

Das Ende von Maya Fankes bitter-süßer Boulevardkomödie ist dramaturgisch zum Großteil stimmig und löst ihr Humor-Versprechen vorbildlich ein. Bleibt nur die Frage offen: Warum schneit es in Willies Wohnung plötzlich? Das scheint dann doch so gar nicht schlüssig und motiviert zu den kreativsten Thesen. Antwort? Bisher leider keine gefunden. Aber das kann ja noch werden – Vorschläge werden gerne entgegengenommen. Und die Seele atmet nach der komödiantischer Katharsis von SONNY BOYS sowieso wieder wunderbar befreit durch.

 

Fotonachweis: Jan Friese

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