Mythos Coco – Salzburger Landestheater

Faszination Coco Chanel. – Der berühmten französischen Modedesignerin wird mit der Uraufführung von MYTHOS COCO in Salzburg gleich ein ganzer Ballettabend gewidmet. Sehenswert.

Coco Chanel führte ein ziemlich aufregendes Leben. Davon künden zumindest die Anekdoten und Erzählungen, die sich rund um die berühmte französische Modeikone ranken. Und die sind jetzt um eine Komponente reicher. Neben zahlreichen Büchern, ziemlich vielen Artikeln und einigen filmischen Variationen gibt es jetzt nämlich auch ein Handlungsballett, das sich dem Thema Coco Chanel verschrieben hat.

Peter Breuer kreierte mit seiner Choreographiearbeit einen bewegenden Ballettabend, der exemplarisch durch das Leben der Modeschöpferin führt und stringent reproduziert. Das funktioniert erstaunlich gut. Den Fokus legt Breuer dabei auf die erotischen Abenteuer der Diva, deren Affären bisweilen auch an ihrem beruflichen Erfolg beteiligt waren. Die Verhältnisse sind von Tragik und Leidenschaft geprägt, die das Ballett aufgreift und emotional in Szene setzt. Warum dabei die Figur der Coco Chanel auf zwei Tänzerinnen aufgeteilt wurde (nämlich Coco und Chanel), geht nicht ganz hervor. Der Luxus der Doppelung der Protagonistin ermöglicht allerdings eine Akzentuierung auf die Entwicklung und Reifung der Figur. Von der jugendlichen Coco (Liliya Markina), die mit Arthur Chapel (Marian Meszaros) den Leidenschaften frönt, oszilliert sie anschaulich zur älteren und desillusionierten Chanel (Anna Yanchuk). Die Choreographien begleiten diese Wandel stimmig, die Musik bietet das passende akustische Ambiente (Komposition & Musikarrangement: Eduardo Boechat).

Das Bühnen- und Kostümbild besteht zum Gros aus Textilzitaten, die das Paris der Belle Époque evozieren und die Stilrichtung Chanels gelungen imitieren (Bühne & Kostüme: Bruno Schwengl). Neben den Affären Chanels werden die Stationen ihrer größten beruflichen Erfolge mit Liebe zum Detail aneinandergereiht; der Beginn von Coco Chanels Modekarriere (Hut um Hut baumelt vom Bühnenhimmel), die Andeutung des Ursprungs ihres Spitznamens Coco (kess „Qui qu’a vu Coco“), die Erfindung des Kleinen Schwarzen oder das Abstecken des Stoffes direkt am Model anstelle der Büste erwachen auf der Bühne zu neuem Leben.

Das geschieht mit einer Eleganz und Spannung, die in eine magische Parallelwelt führt. 1453481381_24_marianmeszarosundjosefveselyBesonders gelungen Cocos ewiger Konflikt mit der Vaterfigur. Als 12jährige nach dem Tod der Mutter von ihm im Waisenhaus abgegeben, sollte Coco ihn Zeit ihres Lebens nicht wiedersehen. Breuer erschuf für MYTHOS COCO eine immer präsente Vaterfigur (Josef Vesely), nach dem das kleine Mädchen eingangs verzweifelt sucht („mon papa?“) und dem es am Ende im transzendenten Bereich wieder begegnet („mon papa!“). Gleichzeitig fungiert der im Hintergrund verharrende väterliche Charakter als Todesengel, die Coco Chanel stets das Liebste nimmt. Ein spannendes Detail, das zu den eindruckvollsten Momenten des Stückes beiträgt.

MYTHOS COCO gibt einen weiteren Einblick in das Leben der Ikone, die einst die Modewelt revolutionierte. Das Handlungsballett ist leidenschaftlich, amourös und eine Hommage an Coco Chanel.

 

Fotonachweis: Christina Canaval

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