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Three For Silver im Interview

EIN BASS AUF FREIERSFÜßEN

Morgen veröffentlichen Three For Silver ihre neue Single GET LOW im deutschsprachigen Raum. Ein idealer Zeitpunkt, um ein paar Fragen an das Trio aus Portland loszuwerden.

Drei für Silber: So oder so ähnlich lässt sich der Name des musikalischen Trios Three For Silver übersetzen. Three For Silver, das sind Lucas Warford, Willo Sertain und Greg Allison. Die Band aus Portland hat sich auf einen mindestens genauso ungewöhnlichen und spannenden Sound spezialisiert: Ein Crossover von Folk und Moderne mit einem Hauch Tom Waits und jede Menge Spielraum für weitere Interpretationen. Morgen veröffentlicht die Band ihre neue Single. Zeit für ein paar Fragen an Frontmann Lucas Warford.

Welche Stile und welche Bands haben die Musik von Three For Silver maßgeblich inspiriert?

Lucas Warford: Wir werden von alten, unheimlichen Sounds inspiriert; von Live-Musik auf Akustik-Instrumenten; von brüllenden Straßenkünstlern, alternden Geigenspielern in Pub-Ecken, Stehgreifkonzerten auf Straßenbahnen und Lagerfeuermusik bis zum Morgengrauen.Three For Silver Wir werden von uralten Melodien inspiriert, die sich weigern zu vergehen und trotzdem ständig ihre Gestalt wechseln.

Die stimmliche Nähe von Sänger Lucas Warford zu Tom Waits: Eine bereits zu Tode bemühte Metapher, immer wieder schmeichelhaft oder… ?

LW: Unvermeidbar und schmeichelhaft. Es ist nicht allgemein bekannt, aber vor Three For Silver hatte ich panisch Angst vor dem Singen. Ich zensierte mich selbst so stark, dass ich es nicht einmal Zuhause im stillen Kämmerlein genießen konnte. Ich war extrem befangen, was die raue Note in meiner Stimme betraf. Künstler wie Tom Waits, Captain Beefheart, Howlin Wol und andere ebneten den Weg für einen Gesangsstil und eine musikalische Ästhetizität, die auch für mich und meine Fähigkeiten sinnstiftend waren.

Wie kommt man auf die Idee, sich seinen eigenen Bass zu bauen?

LW: Die Entstehung meines Basses basiert vor allem auf einer Frage: „Wie kann ich den Spielstil, den ich liebe (perkussiven Bass), mit der Musik verbinden, die ich machen möchte (schrägen dunklen Folk/ Americana)?  Das beschäftigte mich für Jahre. Ich mag den Sound von perkussiven/ e-Bass und die Art von Musik, für die die Instrumente normalerweise genutzt werden nicht besonders. Und trotzdem liebe ich das Spiel darauf und das, wie ich finde, große Potential. Das führte dazu, dass ich über die Jahre einige Dinge ausprobierte, mit unterschiedlichem Erfolg. Durch beständige Kooperationen mit anderen, sehr talentierten Menschen kreierte ich verschiedene Instrumente, die es mir erlaubten, meine Visionen von Bässen zu entwickeln und zu präzisieren. Die Werkzeuge, die ich aktuell nutze (das Bass Banjo, gebaut von Ed Davis, das ResoBass, gebaut von National Resophonic Guitars, die Bassgeige, gebaut von Tom Fenallosa und mir selbst), repräsentieren den aktuellen Stand meiner Kunst. Ich werde sie aber beständig ausbauen und weiterentwickeln. Vor zwei Jahren hatte ich noch nicht einmal den ResoBass und jetzt ist er wesentlich für unseren Sound. Die Frage lautet also, was wird unsere Musik in zwei Jahren prägen?Three For Silver

Welche Ansprüche stellt Three For Silver an die eigene Musik und GET LOW im Speziellen?

LW: Das ist für mich eine seltsame Frage. Was erwarte ich von ihr? Ich nehme an, ich erwarte von unserer Musik, dass sie höchste Qualität und schonungslose Echtheit besitzt; egal wo wir gerade sind, wenn wir sie schreiben, aufnehmen oder performen. Wie wäre es, wenn ich mich darauf festlege, dass ich von GET LOW erwarte, dass es uns für den Rest unseres Lebens reich und berühmt macht? Das ist doch eine sehr nette und bescheidene Erwartung.

Wie habt ihr euch als Band gefunden? Eine doppeldeutige Frage. Zum einen zielt sie darauf, wie ihr – die einzelnen Mitglieder – euch gefunden und zur Band formiert habt. Zum anderen aber auch auf den musikalischen Stil. Wusstet ihr von Anfang an, die Musikrichtung soll’s sein und keine andere oder entwickelte sich die spezielle Note der Band erst peu à peu?

LW: Die Leuten sagen uns oft, dass unsere Musik von innen herauszukommen scheint, vor allem bei unseren Konzerten. Das macht für mich durchaus Sinn, da Live-Performance für uns als Band im Fokus steht. Dieser „von innen nach außen“-Kommentar ist, denke ich, ein Statement über Authentizität. Wir haben unsere Instrumente, unser Können und unsere momentanen Inspirationen und wir folgen ihnen, wohin sie uns gerade führen. Das gilt sowohl für das Schreiben von Songs als auch für die ganze Geschichte der Band. Das ist dann auch so ziemlich die einzige Regel bei Three For Silver. Aber auch: KEINE GITARREN. Gitarren-ähnliche Dinge sind ok, wie die Lap-Steel-Gitarre oder der ResoBass, aber keine absolut normale 6-seitige-Gitarre. Und auch kein Synth oder elektronische Instrumente. Eigentlich sind das dann schon drei Regeln bei Three For Silver:

1. Immer schonungslos unseren Inspirationen folgen, egal wohin sie uns führen
2. keine Gitarren
3. kein Synth oder elektronische Instrumente
4. Hass auf DJs, wann immer es möglich ist.
Ok, mach‘ vier Regeln daraus! Gib uns Zeit und wir werden vermutlich Wege finden, um auch mit allen diesen Regeln wieder zu brechen.

Wenn man unsere drei Alben hört, wäre es verdammt leicht zu denken, dass es sich dabei gar nicht um die selbe Band handelt. Für mich ist das genau so, wie es sein sollte. Das zeigt schließlich, dass wir ständig suchen und uns immer weiterentwickeln. Die einzige konstante Linie von Three For Silver sind Willo und ich. Darüber hinaus war die Band schon immer ein sich ständig entwickelndes Kollektiv von Kollaborateuren.

 

Meet the band

Fotonachweis: James Rexroad

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