Ich war noch niemals in New York – Deutsches Theater München

Ich war noch niemals in New York im doppelten Wortsinn. Zum einen habe ich tatsächlich noch nie die amerikanische Metropole besucht und zum anderen immer einen gewissen Bogen um das gleichnamige Musical geschlagen. Dabei ist das massentauglich konzipierte Stück Musiktheater, das mit stolz geschwellter Brust den Songtitel eines Udo Jürgens Hits trägt, fröhliche Unterhaltung pur.

Erstmals seit CATS und AIDA gastiert mit ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK wieder eine Stage Entertainment – Produktion am Deutschen Theater in München. Und das sogar verhältnismäßig lange. Am 7. Oktober 2015 feierte das Musical seine München Premiere und wird dort bis Januar 2016 verweilen.

ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK ist die Geschichte von Maria und Otto, einem älteren Pärchen, das dem Altersheim entkommen und seinen Traum von New York verwirklichen möchte. Also fliehen sie kurzerhand, durchaus juvenil aufmüpfig. Die gefeierte TV-Moderatorin Lisa kann die Flucht ihrer Mutter nicht begreifen und schließt sich – etwas „widerwillig“, zugegeben – mit Ottos Sohn Axel und dessen Nachwuchs Florian zusammen, um den beiden rechtzeitig auf die Spur zu kommen. Lisas Freunde, das Liebespaar Fred und Costa, runden die Chaos-Truppe ab, die sich kurz darauf an Board des Kreuzfahrtschiffes versammelt.

Eines fällt an dem Udo Jürgens Musical, das natürlich nicht die Geschichte von Udo Jürgens erzählt (wer verfällt eigentlich auf so eine Idee?), auf: Die spritzig frechen und amüsanten Dialoge und Streitduelle. Das Gabriel Barylli da seine Hand im Spiel hatte, ist nicht zu verleugnen und erstaunt dann doch ein wenig. Wer hätte gedacht, dass er, der vor allem für seine Romane und Theaterstücke bekannt ist, IWNNINY_BER_c_eventpressauch die erste Textfassung eines Musicals in ein Theaterskript verwandelte?! Seine locker heitere Dialog-Handschrift ist unverkennbar, auch wenn es da noch einen Co-Autor gab: Christian Struppeck, der den meisten mittlerweile vermutlich besser als Intendant der Vereinigten Bühnen Wien bekannt sein dürfte.

v.l.n.r: Karim Khawatmi als Axel und Sarah Schuetz als Lisa
v.l.n.r: Karim Khawatmi als Axel und Sarah Schuetz als Lisa

Vor allem die Hauptpärchen des Abends profitieren von Baryllis und Struppecks Eloquenz. Lisa (Patricia Hodell) und Axel (Karim Khawatmi) brillieren in ihren vokalen Schlagabtauschen, genauso wie Maria (Dagmar Biener) und Otto (Harald Heinz) oder das einzige Kind an Board, Florian (keck und selbstbewusst Elias). Apropos Sprache. Für den vermutlich charmantesten Versprecher sorgte zumindest an diesem Abend Gianni Meurer als Costa, der spontan die „Heizkostenzahlnachung“ erfand. Gleichzeitig sorgte sein „partner in crime“ Fred (Lars Kemter) – von Lisa auch liebevoll „Fredi-Bär“ gerufen -, für jede Menge Freude und Lebenslust auf der Bühne; gepaart mit einer ziemlich eindrucksvollen vokalen Performance (wunderbare Stimmfarbe), ließ Fred dann sogar den männlichen Hauptakteur ein wenig ins Hintertreffen geraten. Der sich allerdings mit sehr viel vokaler Udo Jürgens Reminiszenz und schlagfertigem Schauspiel immer wieder zurück in den Vordergrund kämpfte. Dort traf er dann, wie zur Belohnung, auf eine ebenso stimmkräftige und klangschöne Lisa, und kabbelte sich mit ihr erheiternd durch den Abend.

Das Bühnenbild, das von David Gallo extra für das Deutsche Theater adaptiert wurde, fügte sich stimmig in das fröhliche Gros der Produktion ein; vom Polly Pocket Puppenhaus-Flair bis hin zur Navi-Verzweiflungstour quer durch halb Europa. Ein tanzfreudiges Ensemble rundete das Musicalgeschehen in München ab (u.a. „Buenos Dias, Argentina“ oder „Viele Grüße aus der Hölle“).

Nett. Lustig. Das alles ist ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK. Danach empfiehlt sich dann am besten noch ein Ausflug in die nahe gelegene Cocktail-Bar. Freundin I. meinte, dass die zahlreichen Feiern an Bord und der ganze Alkoholkonsum dort irrsinnig anregend gewesen wären. Lag es an der Party „Inferno“ oder am ständigen Gebechere von Maria und Otto? Jedenfalls ist es ein Glück, dass die genannte Cocktail-Bar bereits ab 17:00 Uhr Happy Hour anbietet; kurz danach ist nämlich die Nachmittagsvorstellung aus und noch Zeit genug, bevor es einen Bus zu erwischen gilt. In diesem Sinne, Stößchen, l’chaim, santé, cheers, usw.

 

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