Ein Sommernachtstraum (c) Jan Friese

Ein Sommernachtstraum – Schauspielhaus Salzburg

„Ein Sommernachtstraum“ am Schauspielhaus Salzburg

Frivoles Treiben im Zauberwald: Ein sehr bunter, gut gelaunter „Sommernachtstraum“ am Schauspielhaus Salzburg mit Live-Band.

Einmal so richtig auf die Pauke hauen, Fünfe gerade sein lassen und dabei noch Geld sparen? Das ist Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Der Komödienklassiker bietet schließlich gleich vier Stücke in einem und die haben es in sich, was das Vergnügungspotential betrifft. In die Vollen geht auch die Inszenierung von Robert Pienz, der das illustre Treiben im Zauberwald auf die Bühne des Schauspielhaus Salzburg verlegte. Dort tummeln sich Elfen, Feen und Sterbliche und haben meistens amourösen Schabernack im Sinn.

In aller Plot-Kürze

„Ein Sommernachtstraum“ ist die Geschichte der Ereignisse rund um die Hochzeit von Theseus, dem König von Athen, und Hippolyta, der Königin der Amazonen. Die beiden Liebenden Hermia und Lysander wollen durchbrennen, werden aber von Demetrius, der in Hermia verliebt ist, und Helena, die in Demetrius verliebt ist, verfolgt. Parallel dazu vollzieht sich die Geschichte von Titania und Oberon. Das Herrscherpaar des Waldes hat sich zerkracht und das hat so seine magischen Konsequenzen.

Ein Sommernachtstraum | Schauspielhaus Salzburg | Jan Friese Fotografie

Mit viel Illusion und ohne Genierer

Ein zeitloser Raum, der aber in der Antike angesiedelt ist und neben einem Zauberwald liegt: Shakespeare, so scheint’s, konnte sich nicht so recht entscheiden und erschuf damit das ideale Setting für nachfolgende Inszenierungen. Robert Pienz (Regie) griff diese Ambivalenz auf und kreierte mit Ragna Heiny eine illustre Zwischenwelt, die an französisches Varieté und Fête Blanche denken lässt. Je nachdem, ob die Lichter an oder aus sind. Diese Illusion funktioniert vorzüglich und die Shakespeare’sche Welt am Schauspielhaus erscheint viel größer als die Bühne tatsächlich Platz bietet oder das Ensemble Personen.

Der Komödien-Charakter wird groß geschrieben und kommt dank Ensemble-Harmonie auch bestens zur Geltung. Die Pointen wirbeln im schnellen Rhythmus durch die Luft, werden gekonnt pariert oder weitergeführt und gemeinsam mit der Sprachlichkeit in ihren unterschiedlichen Facetten zelebriert (Dramaturgie & Übersetzung: Tabea Baumann). Besonders deutlich wird das, wenn das Handwerker Quartett (sehr humorig und bestens aufeinander eingespielt: Theo Helm, Olaf Salzer, Marcus Marotte und Antony Connor) ihr Stück im Stück zum Besten gibt. Hier wird auf das kalaurigste intoniert, sich in gestelzter Lyrik ergangen und in Einfachheit in Struktur und Vortrag überboten, dass es schwer fällt, Kontenance zu wahren.

Ein Sommernachtstraum | Schauspielhaus Salzburg | Jan Friese Fotografie

Am liebsten treiben sie Schabernack, Menschen ärgern nicht zu knapp

Als Herrscher- und Elfenpaar überzeugen Jens Ole Schmieder und Christiane Warnecke. Mit Tempo schlüpfen sie in ihre jeweiligen Rollen, die sie gleichzeitig spiegeln. Während der eine die Amazone mit Gewalt eroberte, herrscht im Geisterreich Ehekrise. Als Elfenkönig Oberon lässt es Jens Ole Schmieder im floralen Anzug züchtig krachen. Hier der eine oder andere homoerotische Kuss, dort angedeutete Sexualität. Der Abend bleibt familientauglich. Selbst Puck (Jakob Kücher) schlägt nur akrobatisch über die Stränge und lässt seine Finger keusch von den Feen. Stattdessen springt und hüpft und fällt und purzelt er durch die Szenen, wie ein Kobold auf Speed, und treibt als schelmischer Hofnarr seinen Schabernack, als würde es kein Morgen geben – oder Muskelkater und blaue Flecken. Hier gerät Zuschauer:in schon beim bloßen Zusehen aus der Puste. Abhilfe bietet die Fête Blanche Partie: Oder die Jungverliebten, die nicht immer ‚matchen‘.

Helena (Magdalena Oettl), Hermia (Johanna Egger), Demetrius (Wolfgang Kandler) und Lysander (Maximilian Thienen) ergehen sich in den großen Gefühlen, immer bereit, dem Königspaar huldigend die Hände entgegen zu recken, aber keinesfalls einfach ihren Befehlen zu folgen. Intensive Empfindungen, die zwischen endloser Liebe und grenzenlosem Hass oszillieren. Es könnte kitschiger und frustrierender nicht sein; so viel unschuldiges Weiß, so viele zerknitterte Leinen-Anzüge, so viel Sommerparty-Flair, wenn es nicht auch irgendwie sehr niedlich wäre. Ein bisschen heile Welt, die im frivolen Zauberwald für Abwechslung sorgt.

Ein Sommernachtstraum | Schauspielhaus Salzburg | Jan Friese Fotografie

Sing mir das Lied von der Liebe

Kichernd und glitzernd ist das Motto des Elfenvolks. Tatsächlich sind Erbsenblüte (Susanne Wende), Senfsamen (Bina Blumencron), Spinnweb (Johanna Klaushofer) und Motte (Fabienne Lässer) echte Hingucker. Zauberhaft eingekleidet, funkeln sie fröhlich durch den Abend und sorgen für magische Zwischentöne. Apropos Töne. Die beherrscht auch ihre Meisterin, Elfenkönigin Titania (Christinae Warnecke), die ihren illustren Hofstaat mit kleinen Gesten absolut im Griff hat. Wenn sie herrschaftlich zum Mikrofon greift, wird es still im Saal. Überhaupt ist die musikalische Beinote eine großartige Ergänzung. Leicht jazzig, bisweilen melancholisch und immer tiefgründig klingt es durch den Raum (Komposition & Einstudierung: Roli Wesp, musikalische Leitung & Bearbeitung: Gernot Haslauer). Besonders die Stimme von Bina Blumencron berührt und wie sagte schon Dr. Faust? „Werd ich zum Augenblick sagen: Verweile doch! Du bist so schön!“.

„Ein Sommernachtstraum“ wird am Schauspielhaus zum würdigen ‚Rausschmeißer‘ für den Sommer, mit dem der Intendant Publikum und Ensemble in die große Pause entlässt. Ein Wiedersehen findet im Herbst statt und vielleicht auch wieder mit musikalischer Untermalung von Gernot Haslauer (Kontrabass/Posaune & Singende Säge), Robert Kainer (Schlagzeug & Vibraphon), Phillip Harant (Klarinette), Christian Neuschmid (Gitarre) und Roli Wesp (Piano/ Orgel & Synth). Das wäre fein.

 

Fotonachweis: Jan Friese

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