Nein zum Geld - (c) Ebihara Photography // Salzburger Straßentheater

Nein zum Geld – Salzburger Straßentheater

Eiertanz ums liebe Geld

Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Richard jedenfalls nicht. Und dennoch lehnt er den einmaligen Lottogewinn großzügig ab. Die französische Komödie „Nein zum Geld“ liefert den Stoff für die Straßentheater-Produktion 2026 und sorgt bereits am ersten Tourtag für beste Unterhaltung.

Was wäre, wenn Sie plötzlich im Lotto gewinnen? Und zwar nicht läppische zwei Euro oder schnöde fünf, sondern satte 162 Millionen? Vermutlich würde die Frage aufkommen: Weiterarbeiten oder doch den Job schmeißen? Richard (Ferdinand Kopeinig) stellt sich diese Frage gar nicht erst. Er knackt den Jackpot und lehnt ihn einfach ab. Ja, tatsächlich. Er will das Geld nicht. Sein Leben sei schließlich reich genug, philosophiert er stoisch vor sich hin. Was kümmern ihn ein paar offene Rechnungen am Kühlschrank oder der hungrige neue Erdenbürger, der im Nebenzimmer eifrig seine Stimmbänder trainiert?

Sie halten ihn für verrückt? Willkommen im Club. Genau so reagieren auch Richards Frau Claire (Ildikó Babos), seine Mutter Rose (Daniela Enzi) und sein bester Freund Etienne (Alex Linse). Aus Richards moralischer Grundsatzentscheidung entwickelte Autorin Flavia Coste eine herrlich absurde Gesellschaftssatire, die reichlich Stoff für Lachtränen liefert.

Neue  Straßentheater-Tour, neues Glück

Wo Salzburger Straßentheater draufsteht, steckt auch Georg Clementi drin (Regieassistenz: Charlotte Steidl, Bühne: Harald Schöllbauer, Alex Linse sowie Kostüme: Simon Barth). Weil der künstlerische Leiter und Regisseur außerdem ein Händchen für Liedermacherei besitzt, gehört Musik selbstverständlich dazu (musikalische Leitung: Anja Clementi). Eric Lebeau bringt bekannte und vermutlich von den Clementis selbst umgedichtete Weisen stimmstark und sehr französisch unters wartende Volk.

Das besteht, wie sich schnell zeigt, zu einem guten Teil aus Wiederholungstäter:innen. Langjährige Straßentheaterfans sitzen neben zufällig Vorbeischlendernden. Eine erfrischend bunte Mischung. Genau wie auf der Bühne. Dort geht es nicht immer jugendfrei zu. Ferdinand Kopeinig verkörpert Richard mit wohltuender Gelassenheit und jeder Menge Peace-Love-and-Happiness-Vibes. Er versteht die Welt nicht mehr, als seine Absage an den Mammon reihum für Entrüstung sorgt. Herrlich gelassen trotzt er seinen Widersachern.

Die liebe Familie “Nein zum Geld”

Zu ihnen zählt auch seine Frau Claire. Ildikó Babos spielt sie laut, temperamentvoll und mit genau der richtigen Portion Fassungslosigkeit. Daniela Enzi überzeugt als liebestolle Mutter, die mühelos zwischen Charmeoffensive und moralischer Empörung wechselt. Schuld sind schließlich immer die anderen. Alex Linse gibt den besten Freund Etienne, der sich vor lauter Wut in Rage redet und dabei nie die Eurozeichen aus den Augen verliert.

Klingt irgendwie französisch? Ist es auch. Yasmina Reza lässt grüßen. Aber nur aus der Ferne. Das Stück stammt von Flavia Coste und wer hier denkt, mhhh, kenn ich doch von irgendwoher. Georg Clementi setzte bereits im Vorjahr mit “Russisch Roulette” auf die Französin. Wohnzimmerkomödien können sie eben in Frankreich. Das Salzburger Straßentheater liefert auch 2026 wieder den passenden Rahmen und einen äußerst vergnüglichen Sommerabend obendrauf.

 

Fotonachweis: Ebihara Photography // Sazburger Kulturvereinigung

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