Trravelogue I (c) Sebastian Bolesch

Travelogue I – Sommerszene Festival

Same, same but different

Es knallen die Ellenbogen, es fliegen die Beine. Mit dem ikonischen »Travelogue I – Twenty to eight« von Sasha Waltz & Guests eröffnet das Sommerszene Festival sein Programm für 2026.

Das Tempo ist hoch, die Choreografien bewegen sich rasant zwischen frech, zurückhaltend, sinnlich und aggressiv. In »Travelogue I« treffen Paradoxa aufeinander und sorgen für reichlich Wirbel auf der Bühne. Das Publikum begibt sich auf eine Reise durch die Banalitäten und Routinen des Alltags, in der Slapstick-Momente die Tanzsequenzen auflockern. Zugleich regen die Szenen, die Virgis Puodziunas, Edivaldo Ernesto, Rosa Dicuonzo, Hwanhee Hwang und Margaux Marielle-Tréhoüart so eindrücklich zum Leben erwecken, immer wieder zum Schmunzeln an. Scheinbar spielend gelingt es ihnen, Raffinesse und Simplizität miteinander zu verweben.

Sasha Waltz begreift ihr Repertoire als ein lebendes Archiv. Die Kategorisierung ist ebenso treffend wie das Geschehen selbst, das zwischen drei überdimensionierten, bereits in die Jahre gekommenen Wänden stattfindet (Barbara Steppe). Sie bilden das Setting und schaffen einen Raum, der sich mit Kühlschrank, Tisch und Türen genügsam als Küche behauptet. Das Mobiliar wurde klug in die Choreografien integriert und fungiert als zusätzliches Mitglied für das Ensemble. Hier sitzt jede Bewegung, perfekt akzentuiert durch die Musik von Tristan Honsinger und Jean-Marc Zelwer.

»Travelogue I – Twenty to eight« ist das ikonische Gründungsstück von Sasha Waltz & Guests und feierte 1993 seine Uraufführung. Zu dem Zeitpunkt war ein Großteil des heutigen Ensembles vermutlich noch gar nicht geboren. Dass das Stück dennoch so gegenwärtig wirkt, ist kein Zufall. Das junge Tanzteam verleiht dem Sujet eine zeitgenössische Frische und bestätigt damit Sasha Waltz‘ Idee eines lebenden Archivs auf beste Weise. Läuft also. Und macht beim Zuschauen verdammt viel Spaß.

 

Fotonachweis: Sebastian Bolesch // Sommerszene Festival

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