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Die Kleine Hexe – Landestheater Salzburg

Kleine Hexe ganz groß

Sie ist zurück! Otfried  Preußlers Kinderbuchklassiker „Die Kleine Hexe“ ist eine richtige Berühmtheit und bereits in zig Sprachen übersetzt. Jetzt lebt sie in einer frechen, gut gelaunten Produktion am Landestheater wieder auf.

Böse Hexen? Gibt es nicht – mehr. Das verdanken Generationen von Kindern Otfried Preußler. Der deutsche Autor hat einst „Die kleine Hexe“ aus dem Ärmel geschüttelt. 1957 wurde das Kinderbuch zum ersten Mal publiziert. Seit 1973 mischt der magische Wildfang den Blocksberg auch auf Theaterbühnen auf. Und ist dabei mindestens genauso erfolgreich wie ihre literarische Vorgängerin.

In aller Plot-Kürze

Die kleine Hexe ist unglücklich. Sie will in der Walpurgisnacht mit den großen Hexen tanzen und feiern, aber die lassen sie nicht. Angeblich ist sie mit ihren 127 Jahren noch zu jung. Also heckt die kleine Hexe gemeinsam mit ihrem Freund, dem Raben Abraxas, einen Plan aus. Die Oberhexe hat ihr befohlen, ein Jahr lang „Gutes“ zu tun. Kann ja nicht so schwer sein, oder? Zwölf Monate übt sich die kleine Hexe in guten Taten, um dann auf dem Blocksberg zu erfahren, dass richtige Hexen nur dann Gutes tun, wenn sie Böses hexen. Oops! Als die bösen Hexen sie für ihre löblichen Werke bestrafen wollen, kehrt die kleine, magische Revoluzzerin den Spieß einfach um… und befreit die Welt von bösen Hexen.

Jeden Tag eine gute Tat

Fast scheint es so, als wären die Besucher*innen von Jimena Echeverri Ramirez‘ KLEINER HEXE direkt in ein Märchenbuch gestolpert. Zugegeben, in ein sparsam gestaltetes, aber rasch wird deutlich, weniger ist hier märchenhaft-mehr (Bühne und Kostüme: Peter Engel).  Verspielte Details und wahr- gewordene Kinderbuch-Topographien befeuern die Imagination: Die Seitenwand der Landestheater-Bühne flankiert ein aufklappbares Bilderbuch. Darin kann genau wie in den Vorbildern Seite um Seite geblättert werden. Je nach Fasson entspringt dem gigantischen Wunderding das Wohnzimmer der kleinen Hexe oder andere Örtlichkeiten. Zusätzlich ergänzt eine Straßenlaterne das märchenhafte Ambiente, über die kess eine Gießkanne baumelt. Aus der lässt es der vorlaute Wildfang sogleich glitzernden Pfeffer regnen.

In die Hauptrolle des Kinderstücks schlüpft Elisa Afie Agbaglah: Wunderbar quirlig und übermütig hüpft sie durch den abenteuerreichen Nachmittag. Den Besen quer über den Rücken geschnallt, stöhnt sie immer wieder gequält auf, wie gemein es eigentlich sei, dass die Großen den Kleinen vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben. Im Widerworte Austeilen ist die kleine Hexe, die von Bestrumpfung und Keckheit an Pipi Langstrumpf erinnert, schon eine ganz große. Selbst wenn manche Pointe vielleicht an den Jüngsten vorbeigeht, bei den Erwachsenen landet sie treffsicher im Schwarzen. Ganz auf Humor getrimmt ist aber nicht nur die kleine widerspenstige Heldin. Zu ihren guten Taten ringt sie sich nur mit Abraxas‘ Hilfe durch. Der Rabe (Marco Dott) ist immer an ihrer Seite und zügelt ihren Übermut – wenn er nicht gerade selbst Öl ins Feuer gießt… Abraxas eilt der kleinen Hexe hinterher, verdreht gekonnte seine Sätze oder fasst Bonmots gar zu bildlich auf; da bleibt kein Auge trocken. Zusätzlich hebt die kreative Kostümierung des schwarzen Federviehs die Laune: Seinen Schnabel trägt Abraxas erstaunlich hoch – natürlich rein bildlich gesprochen.

Wer seine Wolke liebt, der schiebt!

Für den gewissen Gruselfaktor sorgt das Treffen der Hexen zur Walpurgisnacht (Licht: Martin Nussbaumer). Was wie eine Modenschau für Hexenbesen daherkommt, wird mit dunklen Licht-Stimmungen und Nebel betont. Die Boshaftigkeit der großen Hexen spiegelt sich gelungen im Gesamtbild wider. Allerdings darf selbst da eine kleine humorige Aufheiterung nicht fehlen. Deshalb schlüpfen Walter Sachers und Tino Zihlmann als Sumpfhexe und Knusperhexe in wunderbar kreative Kleider – und machen den weiblichen Varianten beim wunderlich-märchenhaften Hexentanz alle Ehre (Choregraphie: Kate Watson, Komposition und musikalische Einstudierung: Adrian Sieber). Julienne Pfeil sticht als garstige Muhme Rumpumpel unter der Hexenschar besonders hervor. Mit wilder Frisur, von Niederträchtigkeit beseelt, singt sie voller Inbrunst „du bist zu schlecht, zu doof, zu klein“ und nimmt mit unverhohlener Leidenschaft die Verfolgung auf. Nur ja kein Fehler der kleinen Hexe darf ihr entgehen: Zur Erheiterung des Publikums reist sie ihr in einem Deus ex Machina hinterher und schießt ein Foto nach dem anderen. Als Wetterhexe gleicht ihr Fluggefährt einer Wolke – die sie zielsicher über den Himmel lenkt. Nur als sich beim Schützenfest ein Schuss verirrt, muss auch Muhme Rumpumpel dran glauben. Panisch versucht sie ihr magisches Gefährt zu retten und stürzt doch ab. Wer seine Wolke liebt, der schiebt!

Walpurgisnacht

Auf ihrem Gute-Taten-Weg begegnen dem ungleichen Duo aus kleiner Hexe und Rabe viele unterschiedliche Menschen, denen die vorlaute Querdenkerin mit zunehmender Leidenschaft beisteht. Das funktioniert natürlich mit der nötigen Portion Magie – die wird nicht nur mit der leitmotivisch angewandten Zauber-Melodie und Glitzer umgesetzt. Entsprechend weitere Kompositionen und szenische Umsetzungen sorgen für den optimalen Hexen-Effekt. Tatsächlich schindet es mächtig Eindruck bei den Jüngsten, wenn der Stuhl wie aus dem Nichts umkippt, die Pfanne plötzlich Lebkuchen produziert oder die kleine Hexe sogar den großen Schneemann (Alexander Panic) lebendig werden lässt. Deshalb steht am Ende auch klipp und klar fest, natürlich kann die kleine Hexe zaubern! Und mit echtem Feuer veranstaltet sie dann auch ihre eigene Walpurgnisnacht – und die, soviel ist sicher, ist genauso besonders wie die Vorlage von Otmar Preußler.

 

 

Fotonachweis: Anna-Maria Löffelberger

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