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Kulturschiene – Kultur am Salzburger Bahnhofsvorplatz

Alles neu macht der Februar

Ich glaube, es war in Hamburg. Damals stand verfasserin fasziniert am Bahnhofsvorplatz und lauschte der klassischen Musik, die aus den Lautsprechern tönte. Klassik am Bahnhof? Ein Novum für Salzburger Ohren, die als damalige Landbus-Nutzer nur von Betrunkenen okkupierte Wartebänkchen kannten. Klassische Musik, wurden sie von ihren urbanen Freunden aufgeklärt, wird hier präventiv eingesetzt, um aggressive Gefühle im Keim zu ersticken. Feine Sache – die jetzt auch Salzburg kann. Continue Reading

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Martenstein liest, Clementi singt Zeitlieder – Kunstbox Seekirchen

Nachschlag dringend erbeten

Wer um 23.01 Uhr in Seekirchen zur letzten S-Bahn hetzt, ist entweder auf der Flucht oder war bei MARTENSTEIN LIEST, CLEMENTI SINGT ZEITLIEDER – der wunderbar kurzweiligen musikalischen Lesung mit dem Hang zur Zugabe.

Verfasserin hat es als Teilzeit-Sprachpuristin nicht so mit Anglizismen. Das ist verständlich, manchmal aber auch von Nachteil. Zum Beispiel dann, wenn die entlehnten Komposita wie die gemeine Faust aufs Auge passen. Spin-offs sind so ein Fall; wörtlich übersetzt die ‚Ableger‘ einer Serie. Ist eine Nebenfigur unglaublich erfolgreich und bekommt ihr eigenes Format, spricht man von einem Spin-off (Ableger klänge vermutlich zu profan). Kürzlich wurde an dieser Stelle die Rezension zum ZEITLIEDER-Konzert von Georg Clementi publiziert. Continue Reading

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Science Busters – MotzArt Festival

Lachen bis die Science Busters kommen

Zum 36. MotzArt Festival bittet die ARGEkultur das bekannteste Wissenschaftskabarett Österreichs auf die Bühne: die berühmt-berüchtigten Science Busters – und sie machen ihrem humorigen Ruf alle Ehre.

Die Naturwissenschaft hat’s nicht leicht. In der Schule interessieren sich meistens nur die super Motivierten für sie, die in ihre Richtung Begabten oder die, deren Coolness-Faktor nicht unter einer Affinität für’s Fach leidet. Das schließt das Gros der Klasse bereits per se aus. Dem bleibt dann bis ins Erwachsenendasein oft dieser unglaubliche und nicht in Worte zu fassende Respekt vor der Materie. Die Naturwissenschaft also ein Buch mit sieben Siegeln? Nein, nicht wenn es nach den Science Busters geht. Continue Reading

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Virginia Hill – Kleines Theater Salzburg

Eine Mafia-Braut auf Salzburger Abwegen

Volles Haus am Kleinen Theater bei VIRGINIA HILL – auch einen Tag nach der Uraufführung des humorig-kurzweiligen Kriminesers mit der Musik von Peter Blaikner und Konstantin Wecker.

Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte. Im Fall von VIRGINIA HILL ist das das Kleine Theater in Salzburg. Denn eigentlich handelte es sich bei dem Musiktheaterstück um ein Auftragswerk für den großen öffentlichen Bruder, das Landestheater. Dann aber überwarfen sich Autor und künstlerische Leitung, der Skandal war perfekt. Das wiederum scheint nur gut und billig für ein Stück, das von einer berühmt-berüchtigten Mafia-Braut handelt. Continue Reading

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Dry Powder – Salzburger Landestheater

Zeitgenössischer Börsenknigge

In den USA wurde die Uraufführung von DRY POWDER medial bejubelt, zwei Jahre später gelingt der Sprung nach Europa. Am Landestheater Salzburg feierte der Theatererstling von Sarah Burgess jetzt europäische Erstaufführung.

Whovians und Trekkies wussten es schon lange – es gibt noch mehr Leben da draußen abgesehen von dem kleinen blauen Planeten, den wir zufällig bevölkern. Aber warum in die Ferne schweifen? Mit ihrem Theatererstling DRY POWDER rückte die junge Autorin Sarah Burgess 2016 den Fokus auf eine sehr reales, sehr nahes und trotzdem absolut konträres Paralleluniversum: der Finanzwelt. Die ist nicht zufällig in New York angesiedelt, dem Epizentrum der Börsianer und einer geballten Ladung „dry powder“. Continue Reading

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Emilia Galotti – Schauspielhaus Salzburg

Viva la Aufklärung

Wenn sich Werther erschießt, liegt „Emilia Galotti“ aufgeschlagen auf seinem Tisch: Auch am Schauspielhaus Salzburg setzt Irmgard Lübke für Lessings bürgerliches Trauerspiel auf Emotionen, Emotionen, ach ja, und natürlich Emotionen.

Er ist jung, reich, privilegiert und unterschreibt Todesurteile wie andere ihre wöchentliche Einkaufsliste. Würde Hettore Gonzaga, der Prinz von Guastalla, Lessings bürgerlichem Trauerspiel entspringen und als Wiedergänger in der Gegenwart anheuern, dann wäre er vermutlich Ehrenmitglied bei den „Rich Kids“ – mit goldener Kreditkarte vom Papi und Instagram-Channel voller entbehrlicher Luxus-Schnappschüsse. Continue Reading

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Your Majesties – Navaridas & Deutinger | PNEU Festival

Obamas Happy-Dance

Das PNEU-Festival holt 2018 mit YOUR MAJESTIES die etwas andere Simultanübersetzung von Barack Obamas Friedensnobelpreisrede nach Salzburg.

Politische Reden haben ja gemeinhin nicht so den Ruf, Party-Knaller oder Feierabend-Perlen zu sein – von Perfomance-Material ganz zu schweigen. Marta Navaridas und Alexander Deutinger stört das allerdings wenig: 2010 starteten sie ihre Serie ICONIC RHETORICS, die sich mit bedeutsamen Persönlichkeiten der Gegenwart auseinandersetzt; egal ob Lady Diana, Papst Franziskus oder Barack Obama. Für das PNEU-Festival 2018 der Szene Salzburg kehrte das Duo jetzt mit ihrem Erstling YOUR MAJESTIES nach Salzburg zurück. Continue Reading

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Das Knurren der Milchstraße – Theater im KunstQuartier

Die Helden*innen von morgen

Neun Schauspielstudenten*innen, die aufgeregt den Mensch bestaunen – die Abschlussproduktion des Schauspiel-Jahrgang 2015 der Universität Mozarteum geht in die Vollen und serviert mit dem KNURREN DER MILCHSTRAßE eine österreichische Erstaufführung.

Die Erde sieht von fern so friedlich und schön aus. Erst bei näherer Betrachtung fällt auf, dass sie eigentlich ziemlich marode und hinüber ist. Und der Mensch? Der ist dumm und scheiße, aber gleichzeitig auch irgendwie unheimlich lieb und nett – das konstatiert zumindest der entzückte Wissenschaftler. Warum das so ist und wie das eigentlich funktioniert, demonstriert eindrücklich der Chor der fiesen Schauspielstudenten*innen und neun Monologe.  Continue Reading

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Wau! – Toihaus Theater

„Wow“, bellte der Mensch

Im Toihaus Theater in Salzburg ist mit Arturas Valudskis WAU! der Hund los, der Mischling wohlgemerkt – mit kleinem Schuhfetisch, großen Botschaften und Anleihen an Bachtins Lachkultur. Ein geistreich schräger Abend.

In der Literatur und Kunst ist alles möglich. Deshalb ließ der ehemalige russische Arzt und später Autor Michail Bulgakow 1925 seinen Protagonisten in „Das hündische Herz“ zu Messer und Skalpell greifen und einem daher gelaufenen Hund die Hirnanhangdrüse und Hoden eines Alkoholikers und Kleinkriminellen einsetzen. Keine gute Idee, wie sich alsbald herausstellte; die sonderbare Tiermensch-Kreuzung entwickelte ein unerquickliches Eigenleben und mauserte sich prompt zum stereotypen Proletarier und Albtraum seines Schöpfers. Continue Reading

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Bruises – Tim Freitag

Die Leiden der jungen Freitag

Herz, Schmerz und rockiger Indie-Sound: Mit „Bruises“ setzt Tim Freitag auf große Emotionen und Close-ups.

Eine junge Frau starrt nach unten – auf ihrem Gesicht eine nachdenkliche Mischung aus Melancholie und Enttäuschung. Szenenwechsel. Ein junger Mann sitzt im Anzug, mit gelockerter Krawatte und verstrubbelter Frisur auf einem Bett, sein Gesicht pittoresk von Zigarettenschwaden umwabert. In die Gitarrenriffs aus dem Off mischen sich die ersten Lyrics. „I got bruises, I got bruises slowly fading“ singt die Männerstimme mit der einprägsam hellen Stimmfarbe, die ein bisschen an Owl City erinnert, und von dem Mann mit den verstrubbelten Haaren stammt – ganz offensichtlich der Leadsinger von Tim Freitag. Continue Reading

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